Sizilien: Das Land wo die Orangen blühen
Sizilien - die größte Mittelmeerinsel - ist mit nur sechs 18-Loch-Plätzen, nicht gerade ein Hot Spot für Golfer. Doch neue Anlagen sind in Planung, dadurch wird die aufstrebende Ganzjahres-Destination an Popularität gewinnen.

Im März 2011 gastierte erstmals die European Tour auf dem Eiland, schon dadurch geriet Sizilien in den Focus der Golf-Interessierten. Gastgeber der Sicilian Open war das erst im Jahr zuvor eröffnete Donnafugata Golf Resort & Spa, im Südosten der Insel. Das noch junge Hotel folgt den Prinzipien des nachhaltigen Tourismus, wofür es das Zertifikat „Eco Luxury“ erhalten hat. Im Winterhalbjahr wird es meist von Gästen besucht, die aus dem nördlichen Europa anreisen, um bei perfektem Wetter die Golf-Saison zu verlängern. Immerhin kann man im November oder Dezember noch bei 20 bis 25 Grad seine Runden drehen. Zwei Meisterschaftsplätze bieten sich dafür an.
Der von Gary Player entworfene Parkland Course sorgt gleich für eine Überraschung. Vom Namen her würde man reichlich Bäume oder gar einen Wald erwarten, stattdessen verlaufen die 18 Bahnen in einem offenen und weitläufigen Gelände. Wohl gibt es einige kurzstämmige Oliven- und auch ein paar Johannisbrotbäume am Platz, doch entlang der Fairways finden sich die für Sizilien typischen Steinmauern und eine wilde Macchia, die je nach Jahreszeit ihre Farbe ändert. Geschichtlich interessant wird es am 6. Loch, wo sich die Ruinen einer griechischen Nekropole (Begräbnisstätte) aus dem 6. Jahrhundert vor Christus befinden. Geradezu herausfordernd zeigt sich die 7. Spielbahn, sie endet mit einem Halbinselgrün. Wasser kommt dann erst wieder bei den letzten drei Löchern ins Spiel, doch selbstverständlich werden die super gepflegten und schnellen Grüns von Bunkern bewacht.
Der Links Course trägt die Handschrift des italienischen Golfplatzdesigners Franco Piras und entspricht ebenfalls nicht ganz seinem Namen. Er hat keine Anbindung ans Meer - das sieht man nur am Horizont bei Loch sieben und zwölf – doch dafür wellige, ondulierte Fairways und große Bunker. Die ebenfalls großen Grüns sind umgeben von der so typischen Macchia und Dünengras, was dem Platz ebenfalls Links-Charakter verleiht. Die beiden großen, künstlichen Seenlandschaften allerdings, würde man bei einem echten Links-Course nicht finden, genauso wie die mächtige Pinie, die auf dem neunten Fairway thront. Doch davon abgesehen, bereitet der anspruchsvolle und abwechslungsreiche Platz viel Freude.
Eine Golf Academy rundet das Angebot für Golf-Urlauber ab, doch wäre es schade, allein wegen des Spiels nach Sizilien zu reisen. Entspannen im Wellness-Bereich, am Hotelpool oder am nahe gelegenen privaten Hotelstrand Sonne tanken, das ergibt sich von selbst. Doch es lohnt sich, das Resort zeitweise zu verlassen und die nähere Umgebung zu erkunden. Ragusa oder Modica, Städte die zum UNESCO Weltkulturerbe zählen und die Wiege des sizilianischen Barock bilden, sind leicht zu erreichen. Griechen, Römer, Byzantiner, Barbaren, Araber, Normannen, Spanier und viele andere Inselherrscher haben ihre unübersehbaren Spuren hinterlassen.
Für die Entdeckung der Altstadt des 212 v. Chr. gegründeten Städtchens Modica, das mit vielen Treppen und Treppchen aufwartet, braucht man Kondition. Aber die hat man ja als Golfspieler.Im älteren Teil der Provinzhauptstadt Ragusa, die schon im 3. Jahrtausend v. Chr. besiedelt war, lässt es sich gemütlicher flanieren. Hier kann man die Geschichte der Insel regelrecht atmen, im Straßencafé sitzen zwischen all den Einheimischen, und den hübschen Ragazzo und Ragazza hinterher schauen, die in modischen Outfits vorbeiflanieren, als kämen sie gerade aus Mailand.
Ein besonderes Flair verströmen die nahe gelegenen kleinen Häfen, in denen Fischer geduldig ihre Netze flicken. In manchen Orten findet man den ganzen Zauber von Kargheit und Antike, wie ihn schon Giuseppe Tomasi di Lampedusa in seinem Sizilien-Epos "Der Leopard" beschrieb. Und über all dem thront der majestätische Ätna, der höchste und aktivste Vulkan Europas. In seinen fruchtbaren Auen und fast auf der ganzen Insel, gedeihen besonders gut Zitrusfrüchte, vor allem Orangen. Und schrieb nicht schon Goethe, der während seiner Italienreise auch Sizilien besuchte: „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn, Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht, Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht? Kennst du es wohl? Dahin! Dahin möcht' ich mit dir, O mein Geliebter, ziehn.“ Es darf aber ruhig auch die Geliebte oder der Sportsfreund als Reisebegleiter fungieren. Goethe reiste damals alleine, aber schöner ist es, Urlaubsimpressionen mit einem lieben Menschen zu teilen. Und Sizilien präsentiert sich so farbenprächtig und abwechslungsreich, dass es sehr viel zu teilen gibt. Silicia felix - glückliches Sizilien.
Nicht nur Orangen und Zitronen blühen auf Sizilien – die Insel ist ein einziger Obst- und Gemüsegarten, und besitzt zudem die größte Fischereiflotte Italiens. Davon profitiert besonders Küchenchef Salvatore Pullara, welcher das Kochen schon als Kind bei seiner Mama gelernt hat, und der aus dem Reichtum der lokalen Produkte für die drei Restaurants im Donnafugata Golf Resort, innovative und leckere Gerichte zaubert. Denn nicht nur Kunst und Kultur bereichern einen Golfurlaub, sondern auch eine gute Küche.
