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Wohl ist die Insel kein Ziel für Strandurlauber und Sonnenanbeter. Die Temperaturen sind zwar durch den Golfstrom gemäßigt, doch richtig heiß werden die Sommer nicht. Wenn das Thermometer 25° erreicht, bekommen die Schulkinder schon hitzefrei. |
Die Glut der Insel steckt eher in der Erde und macht sich mit aktiven Vulkanen, springenden Geysiren und heißen Quellen bemerkbar. Letztere lernen wir gleich auf dem Weg zum Flughafen nach Reykjavik kennen. Die Blaue Lagune ist ein 5200 Quadratmeter großes Lavabecken mit türkisfarbenem, warmen Quellwasser, in dem man wunderbar entspannen kann.

Im Gegensatz dazu stehen rauschende Wasserfälle und mächtige Gletscher, wobei der „Vatnajökull“ mit 8400 qkm größer ist, als alle Alpengletscher zusammen. Die Szenerie ist gewaltig und doch ist die Landschaft karg. Sie lockt hauptsächlich Wanderer und Naturfreunde an, die Erholung für Leib und Seele suchen.

Aber auch ein ganz anderes Publikum kommt gerne „ans Ende der Welt“: junge, gut gelaunte „ín-people“, die mit der Schönheit der Landschaft und Naturliebe nicht viel im Sinn haben. Sie fliegen aus den europäischen Metropolen oder aus New York ein, das ja von hier nicht weit entfernt ist, um mit den hippen Jung-Insulanern zu feiern, was das Zeug hält. Von Freitagnachmittag bis Sonntagmorgen verwandelt sich die Hauptstadt Reykjavik zu einem der „heißesten“ Orte auf der Weltkarte. Warum das so ist? Vielleicht weil bis 1989 jeglicher Alkoholausschank verboten war und es danach galt, versäumtes Nachtleben aufzuholen. Oder vielleicht wegen Björk! Als eine Mischung aus Polar-Punk und arktischer Elfe bezaubert die Sängerin und Schauspielerin die Welt. Mit ihr hielt die Pop-Szene Einzug auf der sonst so verschlossenen Insel und unter den Stammgästen der Avantgarde-Bar „Kaffibarinn“ oder im House-Club „Astro“ sah man seitdem Mitglieder der britischen Band Blur, Spicegirl Mel B., David Bowie, Mick Jagger, das deutsche Supermodel Claudia Schiffer und viele andere Promi’s.

Golfplätze Island
Eine besondere Spezi von Urlaubern bilden die Golfer. Wo sonst kann man inmitten von erstarrter Lava oder eisigen Gletschern Golf spielen?

Mittlerweile verteilen sich rund 65 Golfplätze über die ganze Insel, die meisten davon rings um Reykjavik. Als einer der besten Plätze gilt Oddur, der 1997 eingeweiht wurde. Die Heimstätte des Odd Fellow Golfclubs liegt in einer reizvollen Naturlandschaft, umgeben und durchzogen von erkalteten Lavaströmen. Islands ältester Golfplatz (1934) ist Grafarholt vom Golfclub Reykjavik. Der 18-Loch-Platz ist im Land die erste Wahl als Austragungsort zahlreicher nordischer und europäischer Turniere. Entsprechend groß ist die sportliche Herausforderung, die er an den Golfer stellt. Der Golfclub Keilir gehört mit 27 Löchern zu den größten Anlagen. 1967 entstanden auf einem Stück Farmland bei Hafnarfjördur die ersten 9 Bahnen, die direkt am Meer entlang führen. Bis 1985 war der Kurs auf 18 Löcher angewachsen. Schließlich kamen 1994 ein paar Enthusiasten auf die Idee, weitere 9 Fairways mitten in die Lavafelder zu bauen. Zuerst erschien es unmöglich, auf diesem Untergrund einen Kurs anzulegen. Aber zwischen der Lava, die sich teilweise zu bizarren Hügeln formatierte, wurde Erde angeschüttet und schon bald wuchs das erste Gras.

Natürlich muss sich das Auge und die Spielweise zuerst einmal an die Schroffheit der Natur gewöhnen. Das Lavagestein erinnert eher an eine Mondlandschaft. Kristin, unsere isländische Begleiterin, erzählt uns dann auch, dass tatsächlich einige Astronauten in der Lavawüste, die sich zwischen dem Flughafen und Reykjavik erstreckt, für die erste Mondlandung trainiert haben. Kein Ort also, den man sich unbedingt zum Leben aussuchen würde. Vielleicht waren die Isländer deshalb schon immer ziemlich reisefreudig. Man denke nur an Erich den Roten, Entdecker Grönlands oder Leifur Eiriksson, den Super-Wikinger, der bereits vor 1000 Jahren mit einigen wilden Gesellen nach Amerika gesegelt war.

Selbstverständlich hat die Insel auch noch andere Gesichter. Der Norden Islands zeigt sich von einer lieblicheren Seite und gilt deshalb als „Riviera unterm Polarkreis“. Hier wird der geringste Niederschlagswert der Insel gemessen und die höchsten Temperaturen. Spektakulär sind die steilen Fjorde, sie gelten als älteste Landesteile. Gesteine im Alter von 16 Millionen Jahren sind hier zu finden und darf man Jules Verne glauben, befindet sich hier die Eingangspforte, durch die einst ein etwas skurriler Geologie-Professor seine „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ unternahm. Hier oben liegt auch Mývatn, der schönste See, Jokulsárgljúfur, der schönste Naturpark, Dettifoss, der mächtigste Wasserfall und Akureyri, die schönste Stadt Islands.


Kurz vor Mitternacht geht die Sonne über dem Fjord auf und ihre Strahlen bringt die schneebedeckten Bergspitzen zum funkeln. Dann werden die Farben immer intensiver und wechseln von einem dunklen Graugrün in zartes Türkis. Wenn der Himmel schließlich rosa und violett leuchtet, halten selbst Golfer, die sonst nur ihren eigenen Score im Sinn haben, für einige Minuten inne, um die Schönheit dieses Sonnenaufganges zu genießen.
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