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Er rattert, rappelt, schnauft und stöhnt, der Stolz Afrikas. Sonst gibt es nichts auszusetzen, am luxuriösesten Zug der Welt. Rovos Rail bietet ein nostalgisches Ambiente, wie man es aus Agatha Christie-Filmen kennt und einen exzellenten Service. Schaukelt von Station zu Station und hält immer dort, wo es etwas Besonderes zu sehen und erleben gibt. Eine wahrhaft stilvolle Art zu reisen und so ganz nach der Vorstellung von Rohan Vos.

Wohlhabend geworden im Handel mit Auto-Ersatzteilen, träumte er den Traum einer eigenen Bahngesellschaft mit historischen Luxus-Zügen. 1986 wurde ihm die Erlaubnis erteilt, auf südafrikanischen Strecken zu operieren. 1989 fuhr bereits der erste Zug mit Feriengästen – ein Abenteuer noch. Inzwischen bringen drei Züge aus den 1920er und 1930er Jahren Reisende aus aller Welt vom kleinen, schmucken Privat-Bahnhof in Pretoria, auf verschiedenen Routen nach Kapstadt, Durban, zum Krüger Park, zu den Viktoria-Fällen, Namibia oder Tansania. Alternativ werden diverse Abschnitte mit Flugzeugen bewältigt – mit eigenen, versteht sich: einer DC-3 und zwei Convair 440 Metropolitan, Baujahr 1954 - Augenweiden für jeden Luftfahrt-Nostalgiker, denn Rohan Vos ist Perfektionist. Auch auf dem Golfplatz. Jeder Schlag wird sorgfältig geplant und ausgeführt. Dabei ist er hochkonzentriert und die Ruhe in Person. Erst spielt er ein Par, dann einen Birdie, einen Bogey, ganz selten auch mal einen Doppel-Bogey. Im Spiel ist er genauso erfolgreich wie bei seiner Arbeit und gerne begleitet er seine angebotenen Reisen, denn Rohan Vos ist ebenfalls ein charmanter Gastgeber.

Bereits auf dem Bahnsteig von Pretoria, macht er die Gäste - die mit einem Glas Champagner in der Hand, erwartungsvoll der alten, kohlebetriebenen Dampflook entgegen sehen - miteinander bekannt. Wir lernen Paare aus England, Schweden, Holland, Deutschland, ja sogar aus Kalifornien kennen, derweil Bedienstete in weißen Handschuhen das Gepäck verladen. Dann heißt es einsteigen und der Urlaub kann beginnen.
Golf & Game: Ostwärts rumpelt die Bahn, nach Nelspruit, wo uns auf dem Hans Merensky Golf Course an einem der Abschläge Warzenschweine begegnen, während hinter dem Grün stolz eine Giraffe vorbei schreitet. Die Fairways sind nur durch einen dünnen Stromzaun vom Krüger Nationalpark getrennt, so dass es schon mal zu tierischen Begegnungen kommen kann. Die Begleitung von Caddies, die mit solchen Situationen vertraut sind, ist daher Pflicht, wie auf den meisten Golfplätzen Südafrikas.

In südlicher Richtung überqueren wir die Grenze zum Königreich Swaziland. König Mswati III, Schwarzafrikas letzter, absoluter Monarch, hat beim „Tanz der Jungfrauen“ seine 14. Ehefrau gefreit. Ein genügsamer Herrscher - wenigstens in dieser Beziehung - wenn man bedenkt, dass zu früheren Zeiten ein König sogar 70 Ehefrauen und 4 Verlobte hatte. Doch vielleicht will seine Hoheit seinen bekannt ausschweifenden Lebensstil reduzieren, schließlich gehört sein Land zu den ärmsten dieser Welt. Entsprechend sehen die Behausungen aus, die den Straßenrand säumen.

Der Royal Swazi Country Club dagegen, ist vom Feinsten. Er liegt mitten in den Bergen. Verhüllt noch von Nebelschwaden, die sich langsam in der Mittagssonne auflösen und eine traumhafte Landschaft enthüllen. Schön anzuschauen, verdammt schwierig zu spielen. Fordern die ersten Neun bereits die ganze Aufmerksamkeit – mit schwer bewachten Grüns - hört der Spaß spätestens bei der Zehn auf. Abschlag über eine Schlucht, hängendes Fairway, erhöhtes Grün. Kaum einfacher zeigt sich die Elf. Zumindest die Herren müssen wieder eine Schlucht überwinden, es geht bergauf, wobei das Grün noch nicht in Sicht ist, weil es sich erst nach einer Kuppe zeigt. Blinde Abschläge sind auf diesem Kurs nicht selten, ein guter Score für Gäste, die zum ersten Mal hier spielen, nahezu unmöglich.

Luxus pur! Wohltuend ist daher der Empfang am Zug. Die Crew verwöhnt uns nach jedem Ausflug mit Champagner und leckeren Häppchen. Danach tauscht man die Sportkleidung gegen Cocktailkleid und Anzug, trifft sich zum Afternoon Tea, spielt Backgammon oder Schach, sitzt zusammen wie bei einem fröhlichen Familienfest, hat sich viel zu erzählen, gründet Freundschaften fürs Leben. Bei einer Gruppe von nur 38 Gästen, die sich auf 13 Waggons verteilen – Schlaf-, Salon-, Bar- und Speisewagen – kommt man sich automatisch näher. Erst recht, beim Dinner, bei dem Springbock, Strauss oder Kudu serviert werden und das von Weinen der besten afrikanischen Winzer begleitet wird. Ein Rätsel bleibt, wie die beiden Küchenchefs auf so engem Raum, jeden Abend ein exzellentes 5-Gänge-Menü zaubern. Genug Platz gibt es nur für die Gäste. Die Suiten sind zwischen 11 und 16 Quadratmeter groß, ausgestattet mit bequemen Betten, Klimaanlage, eigenem Duschbad, manche mit Badewanne. Natürlich steht eine reich bestückte Minibar und Zimmerservice zur Verfügung. So exklusiv kann all-inclusive sein.

Der schönste Ort des Zuges ist jedoch die Bar und das nicht allein wegen der erstklassigen Auswahl der Spirituosen und der Möglichkeit eine Zigarre zu rauchen - sondern wegen der offenen Aussichtsplattform. Wer hier seinen Nightcap schlürft, kann seinen Blick im Glas versenken oder im endlos weiten Nachthimmel, an dem Millionen von Sternen wie Diamanten funkeln. Dann drosselt der Lokomotivführer das Tempo von 60 Stundenkilometern, stoppt die Maschinen auf einem Abstellgleis, damit die Gäste in Ruhe schlafen können.

Der nächste Tag fängt früh an, um 5 Uhr morgens. Das ist die beste Zeit, um die Tiere im Hluhluwe Game Reserve, im Norden von KwaZulu Natal zu beobachten. Bereits 1895 gegründet, ist es eines der ältesten Tierreservate in Südafrika, bekannt vor allem durch den Erhalt von Spitz- und Breitmaul-Nashörnern. Recht kalt ist es in den Morgenstunden. Die Fahrt im offenen Jeep bei frischen 15 Grad, lässt so manchen frösteln. Zurück im Zug ist die Fußbodenheizung eingeschaltet, die Handtücher vorgewärmt und nach einer heißen Dusche trifft man sich im Speisewagen zu einem ausgiebigen Brunch. Die ein oder zwei Gläser Champagner erfordern einen Mittagsschlaf, danach scheint wieder die Sonne warm vom blauen Himmel. Gerade rechtzeitig für eine Bootstour auf dem St. Lucia See, der von Flusspferden und Krokodilen bevölkert wird.
Von hier ist Durban nicht mehr weit entfernt. Mit breiten Stränden, einem „endlosen“ Sommer und einer lockeren kosmopolitischen Atmosphäre, ist sie eine der meistbesuchten Städte des Landes. Im Durban Country Club spielen wir den Beachwood Course, dessen Bahnen direkt am indischen Ozean verlaufen. Hinter den Dünen hört man das Meer rauschen, dazwischen mengt sich das Geräusch startender und landender Sportflugzeuge. Beim 17. Tee weist ein Schild darauf hin, dass es verboten ist abzuschlagen, während eine Maschine zur Landung ansetzt. Die Bahnen der ersten 9 Löcher sind wie eine Wasser-Rinne geformt, verzogene Bälle rollen glücklicherweise wieder in die Mitte der Fairways, wenn sie nicht im dichten Gebüsch landen, wo sich kleine, scheue Affen verstecken und neugierig die Golfer beobachten.

Richtig prickelnd wird es im Champagne Sports Resort in den Drakensbergen, einer der schönsten Gebirgslandschaften der Welt. Das erste Loch ist mit 607 Metern das längste Südafrikas, während die vierte Bahn dazu verleitet, die Augen schweifen zu lassen, um die Majestät der Berge auf sich wirken zu lassen. In dieser Region haben zu Urzeiten die Buschmänner in Höhlen gelebt und mit ihren Felsmalereien ein kostbares Erbe hinterlassen. Die traumhafte Kulisse und die glasklare Luft bescheren uns einen superschönen Tag.

Doch das Beste zum Schluss: der Gary Player Course in Sun City, ist der Höhepunkt unserer Rovos Rail-Golfsafari. Wie immer stehen die Caddies am Abschlag bereit. Whisky, Innocent, Knowledge und Lucky heißen sie. Welcher wäre der Beste für die Runde auf einem Platz, auf dem jährlich Anfang Dezember die Nedbank Challenge ausgetragen wird, das wohl höchst dotierte Turnier im Golfsport. Über 4 Millionen Dollar gibt es zu gewinnen, von denen der erste Sieger allein 1,2 Millionen Dollar erhält. Leicht verdientes Geld? Bei weitem nicht. Der 7162 Meter lange Kurs, den man sich selbstverständlich zu Fuß erspielt, hat ordentliche Herausforderungen parat, zuletzt mit einem fantastischen Abschlussloch.
Zurück zum Zug. Bevor die letzte Nacht im feudalen Ambiente anbricht, passieren wir eine Strecke, die nicht unbedingt mit landschaftlicher Schönheit und wirtschaftlichem Reichtum gesegnet ist. Auf einem Vorortbahnhof wimmelt es nur so von Menschen, die erschöpft von ihrer Arbeit und den ewig langen Nachhausewegen, auf überfüllte Züge warten. Doch eher neugierig, keineswegs neidisch, drängen sie sich vor unserem Luxus-Gefährt um Blicke auf die elegante Ausstattung zu erhaschen. „Wohin geht die Reise?“, fragen sie. „Nun - quer durch Südafrika, um euer schönes Land kennen zu lernen“, ist unsere Antwort. Ein Lächeln erscheint auf ihren Gesichtern - es stimmt schon: Rovos Rail ist der Stolz Afrikas.
Informationen:
Südafrikanisches Fremdenverkehrsamt, Frankfurt am Main
www.southafricantourism.de
Flüge: South African Airways, Lufthansa
Informationen zu Rovos Rail
Einreise: Kein Visum erforderlich, Reisepass genügt
Impfpflicht: Besteht nicht, gute medizinische Versorgung.
Beste Reisezeit:
Im Juni und Juli herrscht Winter,
Hochsommer ist von Dezember bis Januar. Das Klima-Spektrum reicht von
mediterran auf der Kap-Halbinsel bis subtropissch an der Küste von
KwaZulu Natal und in Nord-Transvaal. Generell ist das Klima zu jeder
Jahreszeit beständig sonnig. In Kapstadt scheint die Sonne 2.980 und in
Pretoria 2.340 Stunden pro Jahr. In London sind es nur 1.480, in Rom
2.360 und auf Hawaii 2.450 Stunden.